Friedrich Georg Jünger. Wachstum und Planung.
aus Gärten im Abend- und Morgenland
Bechtle Verlag München und Eßlingen 1960
Das Geleit macht darauf aufmerksam: es geht um das ästhetische Vergnügen in und um Gärten.
Wachstum und Planung
Bechtle Verlag München und Eßlingen 1960
Das Geleit macht darauf aufmerksam: es geht um das ästhetische Vergnügen in und um Gärten.
Wachstum und Planung
[lose Gedankenaneinanderreihung] Gartenbau steht in Verbindung mit Seßhaftigkeit und geht dem Ackerbau voraus. Garten = Zaun, Einzäunung als Äußeres. Inneres bestimmt durch Mannigfaltigkeit, Gemisch, Pflege. Nutzgarten / Ziergarten. Ein Garten wird umso genauer eingeteilt sein, je mehr auf seinen Ertrag gesehen werden muss. Es gibt keine häßlichen Pflanzen. Ein Park folgt keinem ökonomischen Plan, noch soll er die Gedanken an Wirtschaftsführung und Nutzen erwecken. Das Paradies ist an persischen Gärten angelehnt. In Persien ist die Gartenlust schon sehr lange stark verbreitet, auch in Form von Gesetzen für den Obstbau und Schulgärten. Persische Gärten weisen Ähnlichkeiten zu englischen Parks auf. Das älteste Gartenprinzip: Pharaonengärten, mit oasenhaftem Charakter. Zentral nicht die Anlagen, die berechnet sind, sondern vergängliche Gewächse, die stets wiederkehren. ... Gartenkunst? Was bleibt davon?
Jünger setzt den Garten in seiner historischen Abhandlung in Kontext mit Macht. Vor allem in Bezug zur Macht, die durch den Staat ausgeübt wird.
Am deutlichsten tritt diese Staatsmacht im Absolutismus in Frankreich auf. Die Allmacht des Staates steht im Mittelpunkt und kann sogar Natur überwinden. Dem Garten wird vom König aufdoktriert, wie er zu sein hat: strengen Regeln und klaren Linien befolgend, ganz zu Willen der Mächtigen. Frankreich steht im Mittelpunkt allen europäischen Interesses.
Römische Gärten wuchsen mit der Größe des Reiches. Es gab jedoch viele Herrschaften und viele kreative Gärtner, daher gibt es nicht ein italienisches Ideal. Je mehr Mittel zu Verfügung standen, umso klarer vollzog sich die Trennung zwischen Nutz- und Lustgarten. Die Villa ist der beherrschende Bau des römischen Gartens, der in Symmetrie und Anordnung einem Gesamtplan folgt: aus drei Teilen bestehend, die Villa an sich, ihr Zubehör und die Gartenanlage.
In China wird diese Art von Gartenarchitektur völlig aufgebrochen. Dort steht das Verständnis von Symbiose zwischen den Elementen im Vordergrund. Es besteht eine Asymmetrie, die nicht gewaltsam entfernt werden soll. Natur gilt als Symbol und Einheit und man benötigte keine Zentralperspektive. Steine finden sich sehr oft in chinesischen Gärten, da diese auch nicht als anorganisch oder organisch eingestuft werden.
Eine Sonderstellung nimmt der englische Garten ein. Ihm wird nicht vom Staat direkt etwas aufgezwungen, sondern die Vorstellung von perfekten englischen Gärten entstammt der Thematisierung von Nationalität und deren Umsetzung in der Malerei. Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich sehr stark ein Interesse an Nationalität. Diese Spezifika sollten sich auch in der Malerei deutlich machen, somit passte man die Gärten an die Vorstellung von gemalten Gärten an. Momente des Erinnerns werden auf künstliche Weise gehäuft.
Insgesamt wird deutlich, dass Gärten und deren Umsetzung stark an Ideen aus dem Schrifttum angelehnt sind. Somit fällt uns der Zugang zu chinesischen Gärten auch umso schwerer, weil der Zugang zu dieser Sprache mit größerem Aufwand verbunden ist. Außerdem lehnt sich die Gestaltung der Gartenanlagen im Diesseits stark an Idealvorstellungen im Jenseits an.
Natur und Geschichte sind eng verstrickt, es ist die Vielfalt und der Zirkel von Herstellung und Verbrauch, von Erinnerung und jahreszeitliche Erneuerung, die uns beim wandeln durch Gärten Erholung vom Alltag gönnen. Gärten lehren uns, Abstand von wirtschaftlichem Vorteil und Nutzen zurückzutreten: "Ein schöner Garten braucht Zeit, Geduld, Stille und Verzicht. Der, der ihn anlegt, muss sich sagen, dass er nicht für sich, sondern für die Enkel arbeitet."
Jünger setzt den Garten in seiner historischen Abhandlung in Kontext mit Macht. Vor allem in Bezug zur Macht, die durch den Staat ausgeübt wird.
Am deutlichsten tritt diese Staatsmacht im Absolutismus in Frankreich auf. Die Allmacht des Staates steht im Mittelpunkt und kann sogar Natur überwinden. Dem Garten wird vom König aufdoktriert, wie er zu sein hat: strengen Regeln und klaren Linien befolgend, ganz zu Willen der Mächtigen. Frankreich steht im Mittelpunkt allen europäischen Interesses.
Römische Gärten wuchsen mit der Größe des Reiches. Es gab jedoch viele Herrschaften und viele kreative Gärtner, daher gibt es nicht ein italienisches Ideal. Je mehr Mittel zu Verfügung standen, umso klarer vollzog sich die Trennung zwischen Nutz- und Lustgarten. Die Villa ist der beherrschende Bau des römischen Gartens, der in Symmetrie und Anordnung einem Gesamtplan folgt: aus drei Teilen bestehend, die Villa an sich, ihr Zubehör und die Gartenanlage.
In China wird diese Art von Gartenarchitektur völlig aufgebrochen. Dort steht das Verständnis von Symbiose zwischen den Elementen im Vordergrund. Es besteht eine Asymmetrie, die nicht gewaltsam entfernt werden soll. Natur gilt als Symbol und Einheit und man benötigte keine Zentralperspektive. Steine finden sich sehr oft in chinesischen Gärten, da diese auch nicht als anorganisch oder organisch eingestuft werden.
Eine Sonderstellung nimmt der englische Garten ein. Ihm wird nicht vom Staat direkt etwas aufgezwungen, sondern die Vorstellung von perfekten englischen Gärten entstammt der Thematisierung von Nationalität und deren Umsetzung in der Malerei. Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich sehr stark ein Interesse an Nationalität. Diese Spezifika sollten sich auch in der Malerei deutlich machen, somit passte man die Gärten an die Vorstellung von gemalten Gärten an. Momente des Erinnerns werden auf künstliche Weise gehäuft.
Insgesamt wird deutlich, dass Gärten und deren Umsetzung stark an Ideen aus dem Schrifttum angelehnt sind. Somit fällt uns der Zugang zu chinesischen Gärten auch umso schwerer, weil der Zugang zu dieser Sprache mit größerem Aufwand verbunden ist. Außerdem lehnt sich die Gestaltung der Gartenanlagen im Diesseits stark an Idealvorstellungen im Jenseits an.
Natur und Geschichte sind eng verstrickt, es ist die Vielfalt und der Zirkel von Herstellung und Verbrauch, von Erinnerung und jahreszeitliche Erneuerung, die uns beim wandeln durch Gärten Erholung vom Alltag gönnen. Gärten lehren uns, Abstand von wirtschaftlichem Vorteil und Nutzen zurückzutreten: "Ein schöner Garten braucht Zeit, Geduld, Stille und Verzicht. Der, der ihn anlegt, muss sich sagen, dass er nicht für sich, sondern für die Enkel arbeitet."
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